Chronik des Kirchenchores Mariä Himmelfahrt

bis Dezember 1984

Zurück zu den Anfängen

Um mit einem Kuriosum zu beginnen: Nur wenige Jahre nach dem 100jährigen Jubiläum blickte der Chor bereits auf sein 150jähriges Bestehen zurück. Das Jubiläum von 1960 stützte sich auf die bis dahin älteste Erwähnung des Chores anlässlich des silbernen Pfarrjubiläums des Ehrendomherrn und Landdechanten Hartmann. Davon soll später noch berichtet werden. 1961 wurde dann vom damaligen Präses Dyckmans die Quelle aufgedeckt, die bis zur Gründung des Chores selbst zurückreicht. Die Reeser Pfarr-Chronik berichtet über die Einweihung der neuen Kirche am 23.12.1828:

"Morgens 9 Uhr des genannten Tages verließen der Pfarrverwalter und die Reeser Geistlichen Kaplan Wampach, Kanonikus Kesting, Vikarius Welter, Rektor Kruse sowie die von Außen herbeigekommenen Lankheim, Pastor in Grietherbusch, Peters, Kaplan in Haldern und Disch, Kaplan in Praest, die bisher benutzte Klosterkirche und begaben sich ohne andere Begleitung zum Hauptthore der neuen Kirche. Nachdem hier von dem Pfarrverwalter die vorgeschriebenen Gebete gesprochen waren, nahm derselbe von der Rechten sich um die Kirche bewegend, die Einsegnung der äußeren Mauer vor. Bei seiner Rückkehr zur Fronte der Kirche öffnete sich auf ein gegebenes Zeichen die Hauptthüre, die Geistlichen traten ein, und es wurde nun, vom Hauptaltare angefangen, die innere Einsegnung vorgenommen, welche, wie die äußere, darin bestand, daß die Altäre und Wände mit Weihwasser besprengt wurden, während von den Geistlichen passende Gebete gesprochen wurden. Hierauf kehrte die Geistlichkeit zur Klosterkirche zurück, wo sich unterdessen die Gemeindemitglieder zahlreich versammelt hatten. Von da bewegte sich, während der neu errichtete Gesangverein unter Musikbegleitung das Kirchenlied Veni Creator Spiritus sang, die Gemeinde zur neuen Kirche. Dort brachte dann der fast achtzigjährige Vikarius Welter in einem Levitenamt das erste heilige Opfer dar. Der neugebildete Gesangverein führte dazu eine vierstimmige lateinische Messe auf."

Zu ergänzen ist noch, daß der Chor damals unter der Leitung des ersten weltlichen Organisten an der neuen Pfarrkirche Peter Jaspers stand.

Vorgeschichte

Als der Kirchenchor Mariä Himmelfahrt Rees gegründet wurde, gehörte bereits eine lange Epoche des Kirchengesangs in der alten Stiftskirche der Vergangenheit an. Die Sänger waren sowohl aus dem Kreis der Kanoniker als auch aus dem Bereich der Lateinschule gekommen. Welche Aufgabe sich dieser Knabenschola stellte, können wir dem Testament des Kanonikers Bernt van Holt aus dem Jahre 1428 entnehmen. Dieses Testament lässt den Sängerknaben, die das tägliche Marienlob zu singen haben, eine Fundation zukommen. Ihre Bestätigung findet dieser Nachweis der Tätigkeit der Scholaren an der Stiftskirche in einem 2. knapp 50 Jahre jüngeren Testament des Landrentmeisters Arnt Buicking.
Diese Epoche im Chorgesang wurde abrupt durch zwei Ereignisse beendet, die zeitlich eng beieinander liegen, die aber auch in einem inneren Zusammenhang stehen.
Als Rees im Jahre 1811 zum Frankreich Napoleons gehörte, wurden im Zuge der Aufhebung des Stifts die Kanoniker pensioniert. Auch die Stiftsschule wurde von der Säkularisation betroffen. In der gleichen Zeit zwischen 1811 und 1817 - es war wohl kein Zufall - stürzten große Teile der Stiftskirche ein, so dass die Gottesdienste künftig in der Franziskanerkirche stattfinden mussten - einer Kapelle, die nur 150 Besuchern Platz bot, während die Stiftskirche 1.800 Menschen gefasst hatte. Sowohl aus personellen wie auch räumlichen Gründen konnte der Kirchengesang nicht weiterbestehen. Erst nach dem Ende der Fremdherrschaft und mit dem Aufbau der neuen Kirche wurde auch ein Neubeginn der Kirchenmusik angestoßen.

Von Jaspers bis Rensing

Die 175 Jahre im Dienste der "musica sacra", auf die der Kirchenchor Mariä Himmelfahrt Rees zurückschauen kann, lassen sich nach dem Quellenmaterial in drei Abschnitte einteilen. Aus der ältesten Zeit gibt es nur einige wenige schriftliche Zeugen in Form der Pfarrchronik und von Zeitungsartikeln. Die mittlere Zeit - die der Chordirektoren Verheyen und Brey - kann, von schriftlichen Quellen abgesehen, bereits anhand der Erinnerungen der Chormitglieder geschildert werden. Alles, was über die Jahre unter der Stabführung der Herren Koppers und Lohmann gesagt werden kann, stützt sich endlich auch auf die vorliegenden Chronikbücher des Chores.
Von den Chorleitern der ältesten Zeit ist kaum mehr bekannt als die Namen und Lebensdaten. Dennoch bürgen diese Namen für kontinuierliche Arbeit des jungen Gesangvereins.

Wie bereits erwähnt lautete der Name des ersten Chorleiters Peter Jaspers. Von ihm heißt es, er sei auch mit mehreren Kompositionen hervorgetreten, die besonders für kleine ländliche Kirchenchöre geeignet seien. Nach seinem Tode im Jahre 1869 wurde Herr Schraven Chordirigent und Organist. Er starb im Jahre 1877. Sein Nachfolger war Herr Rensing, der das Amt bis 1893 inne hatte. Die oben erwähnten wenigen Quellen aus dieser Zeit sind wegen ihrer eindringlichen Sprache besonders geeignet, die Arbeit und Leistungsfähigkeit des Chores schlagartig zu erhellen. Sie sollen daher weitgehend ausgeschöpft werden.

10.10.1854 H.H. Ehrendomherr, Landdechant und Schulpfleger Hartmann begeht sein 25jähriges Pfarrjubiläum. Dazu die Pfarrchronik:

"Nachdem am Dienstag, dem 10. Oktober 6:00 Uhr früh, der Donner der Geschütze und das Geläute der Glocken den Anbruch des festlichen Tages begrüßt hatten, versammelten sich etwas nach 8 Uhr die Kinder sämtlicher Elementarschulen der Gemeinde mit ihren Lehrern, die Zöglinge der Rektoratschule mit ihren Lehrern, die Sodalität, die Musik, der Kirchen-Gesang-Verein, eine große Anzahl weißgekleideter Mädchen und der Klerus im Ornat, alle unter ihre betreffenden Fahnen geschaart, am Pfarrhofe und ordneten sich von da zu einem Zuge, den Herrn Jubilar zur Kirche zu führen. Hierauf beglückwünschte Herr Nöthen an der Spitze einer Deputation des Kirchen-Gesang-Vereins den Herrn Jubilar namens desselben und überreichten ihm zwei Damen, Mitglieder dieses Vereins, als Geschenk desselben zwei kostbare Leuchter."

Leider fehlt eine Aussage über einen musikalischen Beitrag des Chores zum Festakt, der doch gewiss nicht gefehlt hat. Die nächste Quelle sprudelt in dieser Hinsicht umso kräftiger:

4. October 1881. Erste Bezirksversammlung des Cäcilienvereins des Dekanates Rees zu Rees. In einem Zeitungsartikel von 1894 liest man, damals habe der Pfarr-Cäcilien-Verein zum Hochamt die Messe "Sine nomine" von Viadane und nachmittags die "Complet" gesungen - all dies in Anwesenheit des Domchordirektors Schmidt "nunmehrigen Generalpräses der Cäcilienvereine Deutschlands". Die kaum zu überbietende positive Kritik des hohen Herrn soll nun wörtlich folgen:

"Nach einem solchen Gottesdienste kann ich nicht kritisieren, ich kann nur jubilieren. Ich stehe ganz unter dem Eindrucke des Bannes und Zaubers, welchen derselbe auf mich ausgeübt hat. Der Herr Dechant, der übrige Clerus, der Dirigent und die Sänger können stolz sein auf solche Leistungen."

Johann Verheyen - über 40 Jahre Chordirektor

Mit dem Zeitungsartikel von 1894 waren wir bereits in die Zeit Verheyens vorgeprescht, hatten aber nur den Teil des Zeitdukuments angezapft, der damals bereits historisch war. Aktuell war damals - im November 1894 -die Aufführung des Oratoriums "Die hl. Cäcilia". Es handelt sich um ein Werk von Michael Haller für Soli und Chor mit Klavier- und Orchesterbegleitung. Dazu gehören Deklamationen sowie lebende Bilder. Das Oratorium wurde unter der Leitung des Herrn Verheyen durch den hiesigen Pfarr-Cäcilien-Verein unter Mitwirkung des kirchlichen Damenchores aufgeführt. Bemerkenswert ist die kurze Vorbereitungszeit von nur 6 Wochen. Der Berichterstatter beginnt mit einer Entschuldigung: "Zusammen ungefähr 1.000 Personen haben diesen zwei Aufführungen beigewohnt und jeder anwesend Gewesene wird nach Dem, was er außerordentlich Schönes und Großes im Schützenhause gesehen und gehört hat, es begreiflich finden, daß wir nur mit Zagen daran gehen, einen bescheidenen Bericht über das Erlebte zu geben." Im weiteren Verlauf gerät der Bericht dann zu einem Stimmungsbild, wenn man liest:" Die Abendstunde 6 Uhr des 18. und 21. November nahte heran, und nicht bloß aus Rees, sondern weithin aus den umliegenden Dörfern und benachbarten Städten strömten die Besucher zum Schützenhause. Dasselbe füllte beide Abende sich ganz ohne Leeren aufzuweisen und ohne erdrückende Überzahl. Die Klingel des Dirigenten verkündete den Anfang, und das Orchester, Weseler Artillerie spielte seine Weisen. Ein zweites Klingeln kündigte den Deklamator an." Der Bericht schließt mit einer überschwenglichen Kritik:" Jubel, Lob, Preis und herzinnigen Dank vieltausendmal den edlen Damen, Solistinnen und Chorsängerinnen, deren entzückende Vorträge uns Engelstimmen meinten vernehmen zu lassen! Nicht minter Lob, Preis und Dank vieltausendmal den wackeren Sängern, Groß und Klein, vom Pfarr-Cäcilien-Verein! Sie haben in den Hochämtern der höheren Feiertage so oft uns erbaut und mächtig ergriffen, im Oratorium waren sie majestätisch." Chordirektor Verheyen wird mit dem gleichen Lob bedacht:" Jubel, Preis und herzinniger Dank vieltausendmal dem Meister der Töne, dem Herrn Dirigenten, der mit fast übermenschlicher Anstrengung an beiden Abenden das Oratorium geleitet hat." Ein anderer Bericht fügt hinzu:" Wohl verdient war der Lorbeerkranz, mit dem der neue wackere Chordirigent am Schlusse geehrt wurde." Der Bericht endet:" Du aber, altes Rees, Du Mutter Deiner Kinder, erhebe stolz Dein ehrwürdiges Haupt! Freue Dich mit heller Freude Deiner herrlichen Söhne, Deiner wundersamen Töchter! Was Du noch nie erlebt hast, so lange die grünen Wellen des Rheines an Dir vorbeifließen, Das hast Du jetzt erlebt."

Von der Höhe der Festesfreude wollen wir nun hinabsteigen zur alltäglichen Chorarbeit. Wir folgen dabei den Spuren eines unserer verstorbenen Goldjubilare. Herr Gerhard Schnelting erinnerte sich anläßlich seines 40jährigen Jubiläums recht ausführlich und stellte das Manuskript seiner Erinnerungen dankenswerterweise der Chronik zur Verfügung.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass wir einen großen Teil unserer Zeitdokumente den unermüdlichen Nachforschungen unseres verstorbenen Stadtarchivars Hermann Terlinden verdanken.

Herr Schnelting begann mit seinem Eintritt in den Knabenchor: Es war an einem Sommertag des Jahres 1910, ich war im 2. Schuljahr, da sagte unser Klassenlehrer Herr Marxen:" Heute nachmittag kommt der Herr Chordirektor Verheyen zu uns und möchte für den Knabenchor neue Sänger aussuchen. Fragt also zuhause mal, ob die Eltern damit einverstanden sind, wenn er euch nimmt." - Dieses Ja brauchte ich nicht zu erbetteln, denn mein Vater, selbst ein eifriger Cäcilianer, freute sich bestimmt über die zukünftige Mitwirkung seines Sohnes. - Am Nachmittag erschien in unserer Klasse der in unseren Augen sehr würdige Herr Chordirektor. Nach einigen einleitenden Worten unseres Lehrers begann dann die Auslese ...
Endlich fiel mein Name. "Sing auch du mal," sagte Herr Verheyen. Der Herr Lehrer intonierte. Ich weiß jetzt selbst nicht mehr, was dabei vor lauter Aufregung herausgekommen ist. Jedenfalls wurde ich in den Knabenchor aufgenommen.

Ein zweiter Schwerpunkt in den Erinnerungen des Herrn Schneltings ist sein Wiedereintritt in den Kirchenchor nach dem Stimmbruch.
Pflicht war es, jeden Sonntag am Choralhochamt teilzunehmen. Zum Offertorium wurde jedesmal ein vierstimmiger Männerchorsatz gesungen. Sehr oft wurden mehrstimmige Messen vom Männerchor oder vom gemischten Knaben- und Männerchor vorgetragen. Die Oberstimmen waren allerdings gegen Mitte der Zwanziger Jahre durch Damenstimmen ausgewechselt worden, weil der dann doch alternde Herr Verheyen mit der Nachkriegsjugend des ersten Weltkrieges nicht mehr fertig werden konnte.-

Dieser Meinung sei eine andere gegenübergestellt. Die Angliederung des Damenchores im Jahre 1923 hatte sich dadurch angeboten, dass die sangeskundigen Damen schon jahrelang allwöchentlich das Marienlob gesungen hatten. Daneben hatte sich Verheyens Tochter Maria im Laufe der Zeit immer mehr als eine hervorragende Interpretin ihres Vaters erwiesen. Ob das nicht auch den Organisten bewogen hat, die Damen stärker kirchenmusikalisch zu Wort kommen zu lassen?

An besonderen Höhepunkten aus der Zeit Verheyens seien die Aufführungen eines achtstimmigen "Te Deums" von Pergolesi wärend der Schlussandacht zur Feier der Ewigen Anbetung im Jahre 1920, sowie des Oratoriums "Judas Maccabäus" von G.F. Händel erwähnt.

Dass die Chorarbeit mit HerrnVerheyen nicht in Vergessenheit gerät, dafür sorgen neben der Erinnerung der älteren Sänger die Kompositionen des Chordirektors, die auch heute zum Repertoire des Chores gehören.

Wenn man dem Lob aus so berufenem Munde glauben darf, hat der Chor schon damals in Hoher Blüte gestanden. Er konnte offenbar ohne Schaden die dirigentenlose Zeit vom 22.2.1893 - dem Todestage Rensings - bis zum Dienstantritt Verheyens am 12. November 1893 überstehen.

So findet sich für just diesen Zeitraum 2./3. September 1893 eine Notiz, die die Mitwirkung des Chores bei der 250sten Kevelaerwallfahrt bezeugt. Dort ist von ausgewählten Liedern vor dem Gnadenbilde die Rede. Schließlich heisst es, dass nach der Rückkehr die unermüdliche Sangeslust des Chores noch einige Marienlieder vortrug. Doch noch einmal zurück in die Zeit Rensings.

22.2.1886. Feierliche Einweihung unserer Kirche durch Weihbischof Dr. Cramer. Bei dieser Einweihung, die notwendig war, weil 1828 nur eine Einsegnung erfolgt war, brachte der Chor unter Leitung von Chordirektor Rensimg die vierstimmige Messe von Piel zu Gehör.

Gerhard Brey - Chordirektor in schwieriger Zeit

Nach über 40jähriger Tätigkeit in Rees übergab Herr Verheyen im Jahre 1934 Orgel und Dirigentenstab an Gerhard Brey. Diesen Chordirektor traf die schwere Aufgabe, den Chor durch die Zeit des NS-Regimes und der problemreichen Nachkriegsjahre zu führen. Doch lassen wir hier wieder Herrn Schnelting zu Wort kommen. Er beschreibt Herrn Brey als rührigen, lebhaft-temperamentvollen Chorleiter: "Auch unter seiner Stabführung brachte der Chor es zu bachtlichen Leistungen. So erinnere ich mich noch gut an Weihnachten 1939, als wir in der Christmette eine Griesbacher Messe unter Mitwirkung einer hier in Rees stationierten Militärkapelle zur Aufführung brachten. Die Kriegsjahre wurden für Herrn Brey immer schwerer, weil der stattliche Männerchor infolge Einberufungen zum Militär kleiner und kleiner wurde. Trotzdem ließ er keinen Feiertag vergehen, an dem nicht eine mehrstimmige Messe gesungen wurde. Wir wenigen, die wir noch hier waren, haben ihn nach Kräften unterstützt. Besonderes Lob verdient der damalige Damenchor, der mit den wenigen Männern die Sonntagshochämter und die vielen Requien für die Gefallenen gesanglich bestreiten mußte."

Diese Zeit ähnelt wohl sehr der Epoche von 1811-28: Kirchenfeindliche politische Strömungen und die Zerstörung des Gotteshauses mitsamt der Orgel bedrohten den Fortbestand des Kirchengesanges. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bedeuteten die Zeitereignisse - wie oben beschrieben - tatsächlich ein vorläufiges Ende der "musica sacra". Einen solchen Zusammenbruch am Ende des 2. Weltkrieges verhinderte wohl vor allem die Tatkraft des Herrn Brey. Unmittelbar nach 1945 folgte für ihn ein mühseliger Wiederaufbau des Chores. Aus Herrn Schneltings Rückblick: "Mit der Vernichtung unseres Gotteshauses und beinaher der ganzen Stadt waren auch alle Werte an Notenblättern, -heften und Orgelbüchern verlorengegangen. Neues Notenmaterial war nicht einmal für Geld und gute Worte zu haben. Man wollte aber wieder singen, denn die Sänger waren ja wieder da. In dieser Situation griff Herr Brey zur Feder, zeichnete auf, was er noch im Gedächtnis hatte; teils ließ er sich von älteren Sängerinnen und Sängern Einzelstimmen vorsingen und stellte so unter mühevoller Arbeit ganze Werke an mehrstimmigen Messen und Einlagen wieder zusammen. Damit war aber die Arbeit nicht getan. Auch die Sänger brauchten ja Noten. Selbst diese schrieb Herr Brey alle einzeln, denn es gab damals auch keinen Apparat, mit dem man diese hätte vervielfältigen können. So waren es Hunderte von Einzelblättern, die er handschriftlich mit Noten und Texten versah. Einige davon sind noch heute in Gebrauch, z.B., 'Resonet in laudibus' oder 'Regina coeli'."

Erstmals läßt sich auch die Chronik heranziehen. In der Niederschrift vom 2.10.1947 heißt es u.a., dass "dank des unermüdlichen Schaffens unseres Chordirektors G. Brey doch schon viele Lücken wieder geschlossen worden waren, manche Messen neu bearbeitet (abgeschrieben)... "Als Probenlokal diente damals ein Raum in der kath. Volksschule. Die musikalische Tätigkeit wurde unter Begleitung eines Harmoniums in der Notkirche im Saale Holzum durchgeführt. Mit geringen Mitteln wurde dennoch das Äußerste in kirchenmusikalischem Sinn getan. Herrn Breys besondere Sorge galt der Pflege des Chorals. In der Generalversammlung von 1947 bestimmte er 10 Mitglieder zu Choralvorsängern. Die Schola probte allsonntäglich um 10.00 Uhr. Ein weiteres Beispiel seiner Arbeit ist das Festprogramm zu Weihnachten 1949: "Die Mette um 4:00 Uhr in der Frühe wurde mit dem traditionellen 'Ehre sei Gott' von Thielen eingeleitet. Sodann wurde die 'Benedictus Messe' von Griesbacher gesungen, um 10:30 Uhr - im Hochamt - kam die 'Wöss Messe' zur Aufführung. Am 2. Weihnachtstage wurde nach langen Jahren die 'Muttergottesmesse' von unserem Chordirektor G. Brey mit 2 Geigen und Harmoniumbegleitung für Chor und Volksgesang aufgeführt." Am 15.1.1950 fand dann in der Notkirche die musikalische Weihnachtsfestandacht statt. Als besondere Leistung des Chores wurde das "Virga Jesse floruit" von A. Bruckner dargeboten.

Am 27.6.1950 starb Chordirektor G. Brey allzu früh im Alter von 54 Jahren.

Bis zum 30.9.1950 wurde der Chor von Karl-Heinz Lehmann geleitet.

Theo Koppers - Bewahrer und Neuerer

Am 1.10.1950 trat der vom Kirchenvorstand auf 1 Jahr zur Probe gewählte Chorleiter Theo Koppers aus Suderwick an die Stelle der verstorbenen Chordirektors G. Brey. Der große Arbeitseinsatz des neuen Chorleiters hatte zunächst noch unter den dürftigen äußeren Verhältnissen zu leiden. So zog man zwar am Sonntag vor Weihnachten 1951 in die wiederaufgebaute Pfarrkirche ein, aber als Instrument diente vorerst noch das aus der Notkirche mitgebrachte Harmonium. Die Chronik schreibt im Jahre 1951: "Auf größere Messen mußten wir leider deswegen verzichten, weil nur das Harmonium zur Verfügung stand, dieses jedoch in der großen Kirche nicht durchdrang." Die Einweihung der Interimsorgel am 23.3.1952 brachte zwar eine wesentliche Verbesserung, das Instrument entsprach aber in der Klangfülle keineswegs dem Kirchenraum. Es vergingen noch viele Jahre, bis endlich diese Orgel im Jahre 1976 durch eine der Kirche angemessene neue ersetzt werden konnte. Ein Beispiel, wie die allgemeine Sehnsucht nach einer klangvollen großen Orgel sich ausdrückte: Anlässlich einer Wette ließ Kantor Theo Koppers sich die Haarpracht nehmen; als Gegenleistung konnten 365 DM, der Grundbestand, auf dem Orgelkonto verbucht werden.

Zurück zu Weihnachten 1951: Das Datum ist verbunden mit dem erstmaligen größeren Auftreten des "neu ins Leben gerufenen Knabenchores, der die Christmette mit einer Hirtenfeier einleitete." Mit diesem Knabenchor griff Herr Koppers eine alte Tradition auf, durch die er dem Choralgesang wieder neue Impulse verlieh. Schon 1953 war jener Knabenchor auf 33 Kinder angewachsen. Im Laufe der Zeit jedoch ging er mehr und mehr in einen Kinderchor über. Bei allem Eigenwert dieser Chorarbeit darf man den Kinderchor auch als Schule des Nachwuchses für den Kirchenchor ansehen. Dennoch hat es in einer Zeit, die den Idealen des Kirchengesanges wohl etwas ferner stand, die Sorge um eine ausgewogene Anzahl Sängern immer wieder gegeben. Auch in solcher Situation war es für Kichenchor und Chordirektor kennzeichnend, zu dem Motto "Was du tust, das tue ganz" gestanden zu haben. Diese Haltung war unverzichtbar für eine kontinuierliche Mitgestaltung der Gottesdienste und auch für weitergehende Aufgaben, wie sie in den 60er Jahren begonnen wurden.

Aus einer Reihe geistlicher Konzerte seien hier einige hervorgehoben. Zu Beginn der Reihe ist die "Geistl. Abendmusik" im November 1960 zu nennen mit Werken von Händel. 1963 folgte ebenso eine "Geistl. Abendmusik" mit Werken alter und neuer Kirchenmusikkomponisten. Ein musikalisches Erlebnis besonderer Art war dabei die Darbietung durch die Altistin Marie-Luise Gilles von der Staatsoper Wiesbaden. Nicht unerwähnt bleibe hier die Aufführung des "Dettinger Te Deum" von Händel im Jahre 1976.

Dass sich in der Zusammenarbeit mit einem befreundeten Chor neue erweiterte Möglichkeiten boten, wurde erstmalig im Oktober 1966 bei einem Konzert mit dem Kirchenchor Anholt genutzt. Diese Tradition setzte man bereits 1967 in einem "Geistl. Konzert zum 300. Todestag Franz Tunders und zum 200. Todestag G.PH. Telemans" fort, sowie im März 1969 bei der Aufführung der Johannes-Passion mit Martin Finke als Evangelist.

Zum 150jährigen Chorjubiläum wurde in Zusammenarbeit mit dem Kirchenchor Goch "Die Schöpfung" von J. Haydn aufgeführt.

Konzerte dieser Art und weitere galten und gelten als Höhepunkte der Chorarbeit.

Am 29. Dezember 1984 verabschiedete sich Herr Koppers vom Chor, den er von 1950 bis 1984, - 34 Jahre lang - als Kantor geleitet hatte, um in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Der Kirchenchor Mariä Himmelfahrt ist Herrn Koppers zu großem Dank verpflichtet.

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